Die Wayuu und La Guajira
Die Menschen hinter der Mochila: ein Volk zwischen Wüste und Meer, mit eigener Sprache, eigenem Recht – und großen Sorgen um Wasser und Nahrung.

Wer die Wayuu sind
Die Wayuu leben auf der Halbinsel La Guajira, dem nördlichsten Zipfel Südamerikas, der zu Kolumbien und Venezuela gehört. In Kolumbien sind sie das größte indigene Volk des Landes: Bei der Volkszählung 2018 zählten sich rund 380.000 Menschen dazu. Die Grenze zwischen beiden Staaten spielt für viele Familien kaum eine Rolle, sie leben auf beiden Seiten.
Ihre Sprache heißt Wayuunaiki. Die Gesellschaft ist in Clans organisiert, und die Zugehörigkeit wird über die Mutter weitergegeben. Streit zwischen Familien schlichten traditionell die Pütchipü’ü, die „Wortführer“: Sie vermitteln und verhandeln einen Ausgleich, statt dass ein Gericht urteilt. Die UNESCO hat dieses Rechtssystem 2010 als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt.
Leben in der Halbwüste
La Guajira ist trocken, heiß und windig. Große Teile der Halbinsel sind Halbwüste, Regen fällt selten und unregelmäßig. Viele Familien leben verstreut in kleinen Siedlungen, den Rancherías, weit entfernt von Straßen, Ärzten und Schulen. Sie halten Ziegen, fischen an der Küste – und die Frauen häkeln und weben: Mochilas, Hängematten, Gürtel und Armbänder.
Für viele Haushalte ist das Handwerk die wichtigste Einnahme. Doch in die entlegenen Gegenden kommen kaum Käufer, und oft dauert es lange, bis eine Tasche verkauft ist. Zwischenhändler zahlen häufig nur einen kleinen Teil dessen, was die Mochila später im Laden kostet.
Wasser und Hunger
Das größte Problem ist Wasser. Es gibt nur wenige verlässliche Quellen, viele Familien sind auf Brunnen, Regenwasser oder Tankwagen angewiesen. Dürrejahre treffen die Region hart. Immer wieder sterben Kinder an Unterernährung und an Krankheiten, die mit sauberem Wasser vermeidbar wären.
2017 hat das kolumbianische Verfassungsgericht die Lage der Wayuu-Kinder als verfassungswidrigen Zustand eingestuft und den Staat verpflichtet, den Zugang zu Wasser, Nahrung und Gesundheitsversorgung zu sichern (Urteil T-302 von 2017). Die Umsetzung kommt seitdem nur langsam voran.
Wie Sie helfen können
- Echte Handarbeit kaufen – am besten dort, wo nachvollziehbar ist, woher die Tasche kommt und wer daran verdient.
- Einen fairen Preis zahlen. Eine einfädige Mochila steckt voller Arbeitstage; ein Schnäppchen geht fast immer zulasten der Weberin.
- Organisationen vor Ort unterstützen, die in La Guajira Brunnen bauen, Wasser aufbereiten oder Ernährungsprogramme betreiben. Achten Sie bei Spenden auf Transparenz und einen nachvollziehbaren Jahresbericht.
Mehr zur Tasche selbst: Was ist eine Mochila Wayuu? · Die Muster der Wayuu